Mein Helgoland – und das von Isabel Bogdan

Vor einer Weile schon habe ich „Mein Helgoland‟ von Isabel Bogdan ausgelesen, ein Buch, das viele Erinnerungen bei mir geweckt hat.

Sturmgepeitscht: mein Helgoland

Wenn ich an Helgoland denke, kommen mir nicht als erstes die Bilder in den Kopf, die Isabel beschrieben hat. Ich denke eher an einen eher chaotischen Kurztrip, den wir im Sommer 2014 gemacht haben. Und bei dem mir Seetauglichkeit bescheinigt wurde – nie habe ich ein Zertifikat weniger verdient als dieses.

Die Tage auf Helgoland hat mir der Mann zum Geburtstag geschenkt, genauer: Wir stiegen an meinem Geburtstag früh ins Auto und fuhren einem mir zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Reiseziel entgegen.

Verunfallte Cupcakes

Die Vorzeichen für diesen Kurztripp standen schon vorher auf Sturm: Am Abend zuvor war der Mann extra nach Düsseldorf gefahren, um bei einem kleinen Laden in Unterbilk Cupcakes für meinen Geburtstag zu kaufen. Der Laden lag gleich um die Ecke der Wohnung, in die wir wenige Wochen später einziehen wollten. Auf dem Rückweg aus Düsseldorf hatte er einen kleinen Unfall, der dem Auto einen kleineren, den Cupcakes leider größeren Schaden zufügte. Eine hübsche bunte Mischung aus Kuchen, Topping und Verzierung …

Die Überfahrt von Cuxhafen nach Helgoland war sonnig und unproblematisch, ein schöner Start in den Kurzurlaub. Im Gegensatz zu Isabel kamen wir direkt in den Genuss des Ausschiffens: Mit speziellen kleinen Booten wurden wir vom Schiff an Land gebracht.

Dann machten wir uns auf die Suche nach dem Hotel. Vergeblich. Nach einiger Zeit der Suche schwante uns, dass etwas nicht stimmen konnte. Ein Blick in die Buchungsbestätigung auf dem Telefon deckte auf, wo das Problem lag: Statt des Hotels Zum Hamburger auf Helgoland hatte der Mann das Hotel Helgoland in Hamburg gebucht! Nun denn, auf zur Touristeninformation in dem Versuch, ein anderes Zimmer zu bekommen. Ein schwieriges, aber Gott sei Dank nicht auswegloses Unterfangen – auch wenn das Hotel nicht so schön war wie das, was der Mann ursprünglich hatte buchen wollen.

Nach dem anfänglichen Schrecken besichtigten wir in den folgenden Tagen die Insel. Deren Charme erschließt sich nicht auf den ersten Blick, finde ich, und die Begeisterung, die Isabel Bogdan verspürt, kann ich nicht ganz teilen. Doch zumindest bietet die Insel das, was bei mir immer funktioniert: ein kräftiger Wind, der einem um die Nase weht, den Geruch nach Meer und das Geschrei der Seevögel. Zum Schreiben oder Übersetzen könnte ich mich sicher eine Zeitlang dorthin zurückziehen.

Die stürmischen Vorzeichen weiteten sich dann zu einem handfesten Sturm aus, der zumindest die touristischen Bewohner der Insel in Besorgnis versetzte. Noch als wir in der Touristeninformation ein Zimmer für uns buchten, bekamen wir mit, wie andere versuchten, die Insel vorzeitig mit dem Schiff zu verlassen. Ein schwerer Sturm war angekündigt, und es war unklar, ob die Schiffe in den nächsten Tagen noch fahren würden, um die Touristen wieder ans Festland zu bringen. Wir kümmerten uns zunächst nicht weiter darum, waren ja gerade erst angekommen. Als immer mehr Menschen die Insel vorzeitig verließen (im Hotel beim Frühstück Gesprächsthema Nr. 1), begaben wir uns erneut zur Touristeninformation, um eine Einschätzung der Lage zu bekommen. Dort hieß es, unser Schiff würde auch noch fahren, wenn alle anderen den Betrieb eingestellt hatten. Also entschieden wir uns gegen eine vorzeitige Abreise. Im schlimmsten Fall würden wir einfach ein paar Tage länger bleiben, bis der Sturm vorbei war.

Am Abreisetag war unser Boot das einzige, das noch fuhr. (Bei einem Gespräch mit der Besatzung während der Überfahrt erfuhr der Mann, dass das Boot noch viel schlimmere Stürme aushalten würde und man den Verkehr allenfalls einstelle, weil es für die Fahrgäste sonst zu unkomfortabel wäre.) Nun, davon bekam ich nicht viel mit, denn ich hatte genug damit zu tun, nicht seekrank zu werden, mich am Heck an die Reling zu klammern und den Horizont im Blick zu behalten. Zu mehr sah ich mich nicht in der Lage. All mein Fokus lag darauf, mich nicht zu übergeben, was mir auch gelang (und das konnten bei weitem nicht alle an Bord von sich behaupten.) So gesehen habe ich das Seetauglichkeitszertifikat, das der Mann für einen kleinen Obulus für mich erwarb, vielleicht doch verdient.

Isabels Helgoland – das Buch

Nun hat Isabel Bogdan nicht nur über Helgoland geschrieben. „Mein Helgoland‟ ist auch ein Buch über das Schreiben. Sie lässt uns LeserInnen teilhaben an ihrem Schreibprozess, der so anschaulich wird, weil er viele Parallelen zur Insel, ihren Bewohnern, ihrer Landschaft, Flora und Fauna hat. Für mich als Schreibende und Übersetzende ist es immer spannend zu sehen, wie Schreiben bei anderen funktioniert. Zugegeben, bisher habe ich nur Sachbücher geschrieben. Und mich dabei an einem festen Gerüst entlanggehangelt, das ich vorher entwickelt habe. Einige Autoren verfahren genauso, andere – wie Isabel Bogdan – entwickeln die Geschichte, die Figuren, die Handlung beim Schreiben. Es scheint keinen Masterplan zu geben, ein Schreibkonzept, das für alle funktioniert. Für mich, die noch einen angefangenen Kriminalroman in der Schublade hat, ein beruhigender Gedanke.

Was sonst noch bleibt vom Buch? Der dringende Wunsch, mal wieder James Krüss zu lesen. Denn was wäre ein Buch über Helgoland ohne Zitate des wohl bekanntesten Bewohners der Insel? Und so werde ich den nächsten Sonntag wohl damit verbringen, auf dem Dachboden die Bücherkisten nach den Schätzen meiner Kindheit zu durchforsten.

Autorin: Isabel Bogdan
Titel:
Mein Helgoland
Erschienen im: mare Verlag
Preis: 18,00 €

Direkt bestellen, am besten im Shop der Autorenwelt (dann hat Isabel nämlich auch noch etwas davon)

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